Schläft ein Lied in allen Dingen
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.
Joseph von Eichendorff
Mein Mund klebt von der trockenen Hitze, die mir mit Wucht aus dem
offenen Fenster entgegenschlägt. Immer wieder blinzele ich und kneife die Augen
zusammen, die von der heißen Luft schon ganz trocken sind. Der junge Fahrer im
blauen Muskelshirt reizt den alten Peugeot bis zum Limit aus. Der Motor
kreischt und mit 150 km/h Rasen wir durch die Wüste. Die Klimaanlage
funktioniert nicht und mein T-Shirt klebt mir am Rücken. Keine einzige Wolke
ist am Himmel und die Sonne brennt mit aller Kraft auf den Asphalt.
Aus der spiegelnden Luft vor uns
schält sich langsam ein alter Mercedes Laster, wie er bei uns vor vielleicht 40
Jahren noch gefahren ist. Früher in Deutschland gebaut, wurden sie später auch hier im Iran zusammengesetzt und sind bis heute
ein wichtiger Stützpfeiler des Lastenverkehrs. Als er an uns vorbei rauscht,
schlägt eine Luft Wand aufs Auto und unser Fahrer hält das Lenkrad für Sekunden fester.
Rechts der einspurigen Straße, die wie mit dem Lineal bis zum Horizont gezogen ist erstreckt sich eine Ebene aus grobem Sand, durchsetzt von verlorenen Büschen und dort, ganz am Horizont, wo sich gerade zwei Windhosen vereinigen, erheben sich kahle Berge. Links der Straße zieht sich die graugelbe Ebene so weit, bis sie sich im Himmelsblau verliert. Beide nähern sich dort hinten langsam einander an, um dann völlig ineinander zu verschmelzen. Eine klare Linie lässt sich in dem diesigen Grau am Horizont nur erahnen.
Man könnte meine, die ganze Landschaft sei nur ein Versuch, ein unvollendet Anfang von etwas was hier entstehen sollte, dann aber doch nicht fertig gestellt wurde. In gewisser Weise hat sie auch etwas von einer Miniatur Modellandschaft, bei der jemand mühsam schon Berge auf die Ebene gesetzt, aber nach der graubraunen Grundierung die Lust verloren hat.
Begleitet von dem ewigen auf und ab des Stromkabels neben uns, fahren wir schon seit einer Stunde auf Zahedan, der letzten Stadt vor der iranisch-pakistanischen Grenze zu. Immer wieder überholen wir einen Bus oder LKW, wobei besonders bei den alten Modellen der Auspuff genau auf Höhe unseres geöffneten Fensters angebracht ist.
Mittlerweile haben die Berge uns erreicht und die Straße steigt leicht
an. Mit einem tiefen Röhren stöhnt der hoffnungslos überladen LKW vor uns eine
schwarze Rußwolke aus. Kurz frage ich mich, ob es hier eigentlich Umweltplaketten gibt,
lache dann aber selbst über meinen Gedanken.
Vorhin konnte ich kurz bei einem
der alten Lasterwagen, die hier nur Benz genannt werden, mitfahren. Dabei
schien das Gesicht des alten Mannes hinter dem Steuer eine genauso bewegte
Geschichte zu erzählen, wie die vielen Beulen, der abgesplitterte Lack und die
abgegriffene Gangschaltung des Lastwagens.
Langsam schlängelt sich die Straße durch die Berge, die, je näher wir
ihnen kommen, mehr und mehr an Farbe gewinnen. In gedeckten Erdtönen von Rot bis
Schwarz werden sie von der Nachmittags Sonne angestrahlt.
Während ich noch dem Auto
hinterher schaue das am Straßenrand hält um Kühlwasser nachzufüllen, schaut der
alte Mann neben mir auf der Rückbank immer wieder interessiert auf mein Handy,
um zu sehen was ich dort tippe. Seit ich eingestiegen bin habe ich noch kein
Wort von ihm gehört. Ertappt lächelt er als ich ihn anschaue und ich lächle
zurück. Wofür braucht es Worte?
Heute Früh tauchte links von mir aus dem Dunst Kerman auf, die südlichste Stadt bei meiner letzten Reise in den Iran. Ab jetzt ist alles absolutes Neuland für mich und ich merke, wie in mir langsam eine leichte Anspannung entsteht, bei dem Gedanken an Pakistan. Dass ist vielleicht aber auch gut um wach und aufmerksam zu bleiben.
Im Vorhinein habe ich schon drei Anfragen für Couchsurfing in Zahedan gestellt und drei Einladungen bekommen. Die kommenden zwei Nächte werde ich bei Soheil übernachten, von dem ich bis jetzt nur eine Handynummer und eine Adresse habe.
In der Zwischenzeit sind wir wieder in der Ebene angekommen und es sind noch 80 km bis zum Ziel. Vermutlich fahren wir die ganze Zeit schon auf einer alten Handelsroute, da wir gerade schon den vierten, wie ich später erfahre ca. 150 Jahre alten, Wachturm passieren, der nur aus luftgetrockneten Lehmziegeln erbaut ist. Seitdem hat sich viel verändert hier, früher reichlich mit Wasser aus Afghanistan versorgt sind die Flüsse seit Jahren trocken und viele der Dörfer jenseits der großen Städte werden verlassen, da Landwirtschaft fast unmöglich geworden ist.
Doch trotz der Trockenheit, der endlosen Weite und der Hitze mag man dieser Landschaft doch noch etwas an Schönheit abgewinnen. Während der Wind durch das Fenster mittlerweile etwas kühler geworden ist, erinnere ich mich an das Gedicht «Wünschelrute» von Joseph Eichendorff und stelle ich mir vor, wie vor vielen Jahren dort oben auf dem sandbraunen Wachturm Ausschau gehalten wurde, nach Karawanen, Wegelagerern oder Reisenden aus fernen Ländern.

Trampen mit Soheil 
Heißer Wind in der Wüste 
Ausgrabung einer 5000 Jahre alten Vase 

Ruine im Abendlicht 
Traditionelles Dorf 
Wassertank 

Esel sind hier noch wichtige Fortbewegungsmittel 
Fenster einer alten Festung 
Voller Einsatz 
Altes Tor 
Ruinen einer alten Stadt 
Ein Igel läuft uns über den Weg an der Grenze zu Afganistan 
Abschied von Freunden





Gäbe es die Bilder nicht, lesen sich deine Berichte wie Fiktion über einen Abenteurer, den ich gerne mal kennen lernen würde. Vor meinem inneren Auge erscheint das Bild eines wettergegerbten Mannes voller Lebenserfahrung, ein Old Shatterhand der Moderne. Und dann sehe ich plötzlich dieses bekannte Gesicht, das ich über die letzten zweieinhalb Jahre sehr lieb gewonnen habe und vielmehr noch den Menschen, der sich dahinter verbirgt und zeigt.
Bis vor kurzem kannte ich Tramper nur vom Vorbeifahren und jetzt stehe ich selber am Straßenrand. Bis vor kurzem lag so eine Reise außerhalb meiner Vorstellungskraft und jetzt scheint sie so greifbar nahe. Mir wurde schon häufiger gesagt, du hättest einen schlechten Einfluss auf mich, natürlich nur mit einem Augenzwinkern. Aber es stimmt, nur die Wertung bleibt offen. Ich danke dir für die Inspiration die du mir geschenkt hast und dies immer wieder tust.
Bleib behütet auf den Wegen die vor dir liegen!
Danke Jannik.
Da weiß ich kaum was ich erwiedern soll.
Ich schätze die Freundschaft mit dir sehr und freue mich auf ein Wiedersehen!
Bis bald