Was geht einem durch den Kopf vor so einer langen Reise? Was beschäftigt einen? Sind es Sorgen und Gedanken was alles schiefgehen könnte? Sind es Gedanken daran doch alles aufzugeben und abzubrechen, weil man es sich nicht zutraut? Vielleicht ist es aber auch eine unbändige Vorfreude und in manchen Momenten fühlt man sich wie einer kleiner Junge, der gleich seine Weihnachtsgeschenke auspacken darf? Es ist eigentlich nichts von alledem und gleichzeitig von allem etwas.
Einen Monat vor meiner geplanten Abreise beschränken sich die Vorbereitungen auf langwierige Telefonate mit Botschaften oder endlose Warteschleifen bei Reiseversicherungen mit immer der gleichen nervtötenden Melodie. Viele Internetseiten werden durchforstet nach der günstigsten Visumagentur und seitenweise Reiseblogs durchgelesen nach nützlichen Tipps. Wo kann man am besten Einreisen? Wie klappt es mit dem Geld abheben? Kann man ein Visum vor Ort verlängern?
Das alles und vieles mehr beschäftigt mich die meiste Zeit vor meinem Start, zwischen tagelangem lernen für Pharmakologie oder Pathologie. Häufig schweifen die Gedanken beim Lernen ab. „Ja ich weiß Ceterizin ist ein H1 Rezeptor Antagonist 2. Generation und passiert nicht die Bluthirnschranke aber kann ich die iranisch-pakistanische Grenze überhaupt per Anhalter überqueren?“ Solche Gedankengänge machen die Vorbereitung auf meine Prüfungen und auf meine Reise nicht wirklich einfacher.
Manchmal fühlt sich die Zeit vor dem Start wie eine Bergwanderung im Nebel an. Ich sehe nur ein paar Schritte weit, setze einfach einen Fuß vor den anderen und obwohl es anstrengend ist gehe ich irgendwie weiter, stolpere, suche Abkürzungen oder verirre mich um dann doch wieder zurück zu finden. Plötzlich, ganz unverhofft stehe ich dann oben und so sehr ich mich über den Anblick der atemberaubenden Landschaft freue, so sehr läuft mir auch ein ehrfürchtiger Schauer den Rücken hinunter. Habe ich mich vielleicht doch übernommen und schaffe den Abstieg nicht mehr? Was ist, wenn ich umknicke, was wenn die Nacht kommt?
Vielleicht wird der Abstieg aber auch ganz leicht und ich fliege nur so dahin, wobei ich die Schönheit um mich herum mit allen Sinnen berühre und in mich aufnehme um reich an Erlebnissen und Begegnungen wieder heim zu kommen. Vielleicht kommt es aber auch noch ganz anders…
In manchen Stillen Momenten wird mir bewusster, was ich mir da eigentlich genau vorgenommen habe und wie sehr es doch eine Herausforderung und ein Schritt ins Ungewisse ist. Schon jetzt weiß ich, dass es mir nicht leichtfallen wird aufzubrechen, alles zurückzulassen und mit nicht mehr als 20 kg auf dem Rücken an einer unübersichtlichen Autobahnauffahrt zu stehen, vor mir 8000 Kilometer bis nach Pakistan.
Vieles fühlt sich vage und ungewiss an und doch zieht es mich raus aufs offene Meer. Noch nie war ich so lange alleine unterwegs, noch nie so lange absolut auf mich alleine gestellt. Dieses Mal wird es niemand geben der die Augen offenhalten kann, wenn der andere im Auto einschläft, der auch einen Blick aufs Gepäck hat oder mit dem man das Erlebte verarbeiten kann. Vielleicht wird dieser Blog vor allem letzteres ein bisschen ersetzen, aber allein sein werde ich trotzdem. Schon jetzt weiß ich, dass es Situationen geben wird, wo ich nicht mehr will und einfach nur aufgeben möchte. Doch auch wenn ich mir es meist nicht wirklich eingestehe sind es auch diese Situationen die ich suche. Es ist letztendlich die Intensität des Momentes, ganz im Hier und Jetzt zu sein, ganz nah bei den Dingen. Ganz nah am Leben.
Das ist es was ich suche.





Als Vater eines so reiseverrückten Sohnes muß man erst einmal loslassen. Das Kind ist erwachsen, für sich selbst verantwortlich und das, was Erfahrung (Lebenserfahrung) heißt, fällt nicht vom Himmel, sondern muß (mühsam?) erworben werden.
Nichts auf der Welt ist ohne Risiko und wir Apologeten der SICHERHEIT vergessen, wie schnell wir unsere Welt mit „nicht handeln“ unsicherer machen. Die Mutigen haben uns Menschen vorangebracht, nicht die Zauderer. Ja, es macht den Menschen erst zum Menschen, wenn er handelt. Und immer gilt auch, „Opfer müssen gebracht werden! “
Mögen die Wachsamkeit, die Menschenkenntnis (Erfahrung!) und Glück Schlimmes verhindern.
Wohlan, geh mutigen Schrittes voran, die Herzen folgen dir auf Schritt und Tritt, nur ein paar Meter hinter und über Dir…… ?
Danke lieber Thomas für einen schönen Kommentar.
Schon mehrfach wurde er mittlerweile von verschiedesten Menschen erwähnt und bewundert (siehe: Ein Deutscher, ein Türke und ein Araber).
Jedenfalls scheint der Google Übersetzer ins Türkische oder Persische den Sinn noch gut zu erhalten.
Danke!
Dein Sohn