Was wie der Anfang eines Witzes klingt, hat eigentlich ganz
normal angefangen, wurde dann aber zunehmend Unterhaltsamer und nicht selten
auf eine ganz eigene Art und Weise witzig. Dass lag nicht zuletzt daran, dass
die beiden nur brockenweise Englisch sprachen was die Kommunikation umso
interessanter und abwechslungsreicher gemacht hat.
Als der neue Mercedes langsam von der Tankstelle weg und auf mich zu rollt
rechne ich mir schon sehr geringe Chancen aus. Umso überraschter bin ich, als
der Fahrer anhält, die Scheibe herunterlässt und mich zurückhaltend aber nicht
unfreundlich, von oben bis unten mustert. Mein Lächeln wird erwidert und mit
dem üblichen fragenden Blick überreiche ich mein Büchlein, in dem auf Türkisch
ein kleiner Text, über mich und meine Art per Anhalter zu reisen, steht. Immer
noch etwas zurückhaltend fragt mich der Fahrer nach meinem Pass. Das Bordeauxrot
meines Passes und wahrscheinlich auch das große D überzeugen ihn und den
Beifahrer schließlich und ich darf einsteigen.
Kaum haben wir beschleunigt, wird mir auch schon eine Dose Cola angeboten und
die beiden stellen sich als Yusuf und Achmed vor. Yusuf, der Fahrer des
nagelneuen Mercedes hat immer ein leicht verschmitztes Lächeln auf den Lippen
und lässt in der nächsten Stunde keine Gelegenheit aus Witze auf kosten von
Achmed zu machen. Achmed, schon an die 50, ist gebürtig aus Saudi-Arabien und
arbeitet seit langem schon in der Türkei. Alle zwei Monate fährt er heim um
Frau und Kinder zu sehen. Sein Lachen ist laut und durchdringend während er
häufig dabei Yusuf auf die Schulter klopft. Dass tut er auch als Yusuf meint:
„Turkie, Arabs Problem“. Auf meine Frage „all Arabs problem?“ erwieder Yusuf
verschmitzt: „No, only Achmed“.
Die beiden sind schon seit langem befreundet und arbeiten zusammen als „student
control university“. Mehr habe ich jedenfalls nicht verstanden.
Um etwas mehr von mir zu erzählen zeige ich Achmed meinen Blog und mit Hilfe
des Google Übersetzers liest er Yusuf vor. Besonders an einer Stelle bleiben
die beiden hängen und kurz darauf zeigt mir Achmed seinen Handybildschirm auf
dem steht: „Your father, this is a wonderful hope“ und ich verstehe, dass sie
den Kommentar meines Vaters zu meinem ersten Eintrag meinen. Berührt und
lächelnd stimme ich ihnen zu. Als ich erzähle das mein Vater „electric
Engeneer“ ist, meint Achmed: „my son, two months university electric engeneer“
und mit einem Lachen, die Hände zum Himmel zeigend, hinterher „Insch Allah“.
Insch Allah, diese Worte habe ich in den letzten Tagen irgendwie gern gewonnen
und die nächste Stunde werde ich sie noch häufig hören. Am ehesten kann man sie
wahrscheinlich mit „So Gott will“ übersetzen und sie geben häufig einer
Situation eine gewisse Leichtigkeit und nehmen die Ernsthaftigkeit. Vielleicht
wird es so kommen, vielleicht aber auch nicht, Gott weiß es und dabei wird gelächelt.
Wie sehr man manchmal aneinander vorbei redet merke ich kurze Zeit später, als
wir an einem Autohaus vorbeifahren, an dem auf einem Schild zahlreiche
europäische Automarken stehen. Darauf deutend meint Achmend „Skoda“, worauf ich
aus einer Laune heraus erzähle, dass Skoda ja eigentlich zu Peugot gehört und
Dacia zu Renault. Kurz etwas irritiert Lacht Yusuf laut und meint: „No, I said,
Horse is good“ und ich verstehe das er eigentlich das Pferd von Porsche meinte
und ich statt „is good“, „Skoda“ verstanden habe und wir lachen herzlich
zusammen, wobei dieses Mal Yusuf Achmed einen freundschaftlichen Knuff gibt.
Mittlerweile haben wir die Ebene vom Beginn verlassen und die Straße schlängelt
sich mühsam den Berg hinauf. Yusuf, der eigentlich internationale Beziehungen
studiert, beschäftigt sich nebenbei noch mit Geschichte, weil er meint „History
is the father for the all“. Nebenbei fragt er mich, ob ich weiß warum die
Straßen in der Türkei alle so geschlängelt sind. Auf mein Verneinen erklärt er
mir, dass früher Esel genommen wurden um festzulegen wo eine Straße gebaut
werden sollte. Also dort wo ein Esel läuft ist der Boden am besten für eine
Straße. Etwas unsicher ob ich alles richtig verstanden habe frage ich nach und
Yusuf ergänzt: „before, not now, now just make old bigger“. Anschließend
versucht er mir noch irgendwelche Details zu erklären aber auch wenn im
türkischen überraschend viele französische Wörter vorkommen, verstehe ich nur
Spanisch. Meinem verwirrten Blick ist wohl zu entnehmen, dass ich nicht mehr
mitkomme worauf Yusuf fragt „Do you understand“ und ich nur den Kopfschüttle.
Daraufhin lacht er laut auf und meint nur „I don’t understand myself too“.
So fahren wir gemeinsam Richtung Osten, ein Deutscher, ein Araber und ein
Türke, während von der CD amerikanische Countrymusik läuft.
Zum Abschied bitte ich die beiden noch um ein Foto, was mir bereitwillig
gewährt wird. Mit einem letzten Lachen wird mir eine Flasche Wasser in die Hand
gedrückt und schon ist das Auto wieder im dichten Verkehr verschwunden.
Ein Türke, ein Araber und ein Deutscher




